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Hochschultage Berufliche Bildung 2017

Fachtagung 01 Agrarwirtschaft
Die Region als grüner Bildungsraum

Prof. Dr. Marcel Robischon (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland)
Prof. Dr. Roland Stähli (Berner Fachhochschule, Schweiz)
Katja Svensson (Technische Universität Berlin, Deutschland)
Eva-Maria Alfing (Humboldt Universität zu Berlin, Deutschland)

Die Region ist in ihrem durch klimatische, geologische und biologische Faktoren bedingten Charakter nicht nur für die Ausübung einer bestimmten Arbeit, sondern auch für Ausbildung und Bildung im Allgemeinen ein prägender Raum. Prozesse der Bildung und Entwicklung finden heute in einem Spannungsfeld zwischen Globalisierung und damit einhergehender Homogenisierung unserer Lebens- und Lernumwelten und einer gleichzeitig wachsenden Wertschätzung von Diversität statt. Dabei wird der Begriff der Diversität immer seltener im geografischen Kontext betrachtet. Westliche Megastädte wie New York oder London werden als kulturell divers definiert, dabei sind diese "Weltstädte" oft auch "Allerweltstädte", da sie sich weniger voneinander unterscheiden als Regionen, die auch Anteile ländlichen Raumes umfassen. Regionen, die geographisch über das Gebiet städtischer Zentren hinausreichen, sind als solche oft durch naturräumliche oder soziokulturelle Grenzen, und häufig beides, definiert und zeichnen sich durch biologische, kulturelle und wirtschaftliche Besonderheiten aus, die andernorts nicht zu finden sind.

Eine Anforderung des Lebens und Arbeitens in einer globalisierten Welt ist die Notwendigkeit, gleichzeitig "Weltbürger und Experte vor Ort" zu sein. Diese Anforderung der "Lokalexpertise" ist im ländlichen Raum und im Hinblick auf die grünen Berufe eine besonders hohe, da sie nicht ohne weiteres von einer Region auf eine andere übertragen werden kann. Ein Investmentbanker kann ebenso in Singapur, in New York oder Frankfurt arbeiten. Die für die Tätigkeit eines Gärtners oder Landwirts erforderlichen Qualifikationen und Kompetenzen wären indes nicht ohne weiteres zwischen dem Taunus, den Catskill Mountains und der Malakka-Halbinsel übertragbar.

Geno- und phänotypische Ausprägungen und Selektionen bei Pflanzen, verschiedene Rassen und Sippen bei Nutztieren, lokale Standortkenntnisse, (invasive) Neophyten und Neozoen, Bewegungsvektoren von sowohl tierischen als auch pflanzlichen Schädlingen und Krankheiten, geschützte Belegstellen für die Reinhaltung von Rassen oder das gezielte Einschreiten gegen die genetische Verarmung der Natur sind Ausdruck und Hinweis auf Gebietsgrenzen. Die Übertragungsfähigkeit von regionalem Wissen stellt die Anerkennung von teils informell erworbenen Kenntnissen in Kompetenzfeststellungsverfahren vor zusätzliche Herausforderungen.

Die Region als kleinteiliger Markt für Agrarprodukte, als Möglichkeit einer transparenten und Vertrauen stiftenden Lebensmittelkontrolle und als Bildungsraum ist aus der Perspektive landwirtschaftlicher Berufsbildung ein bisher wenig beleuchtetes Thema. Die Fachtagung Agrarwirtschaft wird die Hochschultage als Anlass nutzen.

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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 15.09.2017